Stromheizung im Altbau – warum hohe Verbräuche meist kein Technikproblem sind
Warum die Stromrechnung im Altbau schnell eskaliert
Wenn über Stromheizungen im Altbau gesprochen wird, tauchen oft hohe Monatsverbräuche auf und daraus wird schnell ein Urteil über „die Technik“ abgeleitet. In der Praxis ist der Haupttreiber fast immer derselbe: der Wärmebedarf eines unsanierten Gebäudes.
Ungedämmte Bauteile, alte Fenster und Undichtigkeiten führen zu hohen Wärmeverlusten. Das bedeutet: Es muss viel Wärme nachgeliefert werden – unabhängig davon, ob die Wärme über Strom, Gas oder ein anderes System erzeugt wird.
Der häufigste Fehler: zu wenig Heizleistung
Ein typisches Beispiel aus der öffentlichen Diskussion: Ein Wohnzimmer wird mit einem 900-Watt-Heizelement betrieben – in einem schlecht gedämmten Altbau. Das klingt auf den ersten Blick plausibel, ist in vielen Fällen aber schlicht zu knapp dimensioniert.
Wenn Heizleistung und Wärmebedarf nicht zusammenpassen, erreicht der Raum die Zieltemperatur nicht. Das Gerät läuft dann nahezu durchgehend. Das wirkt wie „ineffizient“, ist aber häufig eine Folge von Unterdimensionierung plus hoher Gebäude-Last.
Stromheizung ist nicht gleich Stromheizung
Elektrische Heizsysteme werden oft in einen Topf geworfen. Dabei unterscheiden sich Aufbau, Speicherwirkung und Betriebsverhalten deutlich. Ein einfaches Infrarot-Paneel arbeitet anders als Systeme, die Wärme speichern und gleichmäßiger abgeben.
Genau deshalb sind pauschale Aussagen problematisch: Wer nur „Stromheizung“ liest, übersieht, dass die praktische Wirkung stark davon abhängt, wie das System ausgelegt ist und wie das Gebäude damit umgeht.
Was wirklich bewertet werden sollte
Seriös wird eine Bewertung erst, wenn die grundlegenden Fragen beantwortet sind:
• Wie hoch ist der reale Wärmebedarf?
• Welche Anschlussleistung ist für die Räume erforderlich?
• Wird die Zieltemperatur überhaupt erreicht – oder läuft die Heizung dauerhaft?
• Welche Nutzungsprofile gibt es (Dauerbetrieb, zeitweise Nutzung, einzelne Räume)?
• Welche Modernisierungsschritte sind geplant (Fenster, Dach, Fassade, Luftdichtheit)?
Wann Stromheizung im Altbau sinnvoll sein kann
Strombasierte Heizsysteme können sinnvoll sein, wenn keine wasserführende Infrastruktur vorhanden ist, wenn Räume flexibel genutzt werden, oder wenn Modernisierung in Etappen erfolgt. Entscheidend ist dann, dass Leistung, Regelstrategie und Einsatzbereich sauber zusammenpassen.
Fazit
Hoher Stromverbrauch im Altbau ist in den meisten Fällen kein „Skandal der Heiztechnik“, sondern ein Hinweis auf hohen Wärmebedarf und/oder falsche Auslegung. Wer das trennt, kommt zu belastbaren Aussagen – und zu besseren Entscheidungen.
Anlass der Diskussion war ein Medienbericht zur Infrarotheizung im Altbau. Die dort genannten Verbrauchswerte wurden öffentlich dargestellt und hier unter technischen Gesichtspunkten betrachtet.
Quelle: CHIP Online – „Infrarotheizung im Altbau: Diese Stromrechnung hat es in sich“ vom 19.02.2025
Weiterführend: Strombasierte Heizlösungen im Überblick
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